Logo Altes Gefngnis Titel

Altes Gefängnis Freising e.V.
Dr. Thomas Mücke
Pfarrweg 2
85354 Freising

Tel.: (+49) 0171-5431574
eMail: info(at)altesgefaengnisfreising.de

LogoText Sie sind hier:> Das Alte Gefängnis > Historie > Baugeschichte   

Baugeschichte

JahrBauvorhaben
Das Gefängnis befand sich vor dem Bau an der Oberen Domberggasse an
der Rückseite des heutigen und damaligen Rathauses beim
Hintereingang im jetzigen Kirchhof St. Georg.
Zwischen Bergfuß und Moosach war die Untere Fleischbank, eine Verkaufsstelle der Freisinger Metzger, eingerichtet. Ein von Ost nach West führender Längstrakt war der Standort der ehemaligen unteren Fleischbank.
Heutiges Brennergäßchen trug früher den Namen ,,Fleischgäßchen",
weil es direkt zur sogenannten unteren Fleischbank führte.
Rechts zwischen Bach und Hang das Wohnhaus des Oswald Huber, ein ruinöses Gebäude, die einstige Domstiftskaplanei. Von dort aus wurde vormals die Pfarrei St. Georg versorgt, bis sie ein eigenes Pfarrhaus erstand.
21.8.1656Hauskauf zwecks Ausbau zum Gefängnis. Bürgermeister Caspar Seehauser kauft auf Anordnung von Bischof Albert Sigismund (1651-1685) die auf der Gant befindliche Wohnbebauung des Metzgers Oswald Huebner für 350 fl.
1663Umbau des Privathauses zu einem brauchbaren Knast. Repräsentant des Hofstifts, Bischof Sigmund, verantwortlicher Eigentümer.
1664Aus diesen beiden Grundstücken ließ der Fürstbischof das neue Gefängnis auftürmen. ,,Eisenfronfeste" wurde es genannt. Umbau des Gefängnisses.
1667Einrichtung zweier Arresträume.

1715/-17
1721/-23

Aufbau der Fronfeste. Bau des Gefängnisturmes, genannt ,,Hexenturm".
4.6.1723Verkleinerung der Kerkerfenster. Aus den Protokollen der Hexenprozesse geht hervor, dass es immer wieder Sorge gab wegen der Verständigung der Häftlinge untereinander und mit der Außenwelt. Besonders bei den ,,peinlichen Verhören" hat man jedes Wort in den gegenüberliegenden Häusern der Fischergasse mitgehört.
1804Errichtung des Landgerichts Freysing, Einzug der churfürstlich-baierischen Verwaltung in das Gebaude, wo vorher das fürstbischöfliche ,,Stadt- und Pflegegericht" untergebracht war. Es handelte sich um das Anwesen Nr. 600 an der Oberen Domberggasse 16. Im Jahre 1663 war nach einem Brand des 1610 von den Franziskanern bezogenen Hauses der bis dahin als Gefängnis benützte Bürgerturm in den Neubau einbezogen worden. Etwa zur gleichen Zeit wurde am 9.2.1663 das ,,Oswald-Huberische Haus" zu Freysingen an der Moosach mit der eingefallenen ,,Domstifts-Kaplaney" angekauft und darauf ein Gerichtsgebäude mit ,,Eisenfrohnveste" errichtet, das künftig dem ,,Stadt- und Pflegegericht" diente.

1825-30

Reparaturen oder Ausbauten, Kosten 200 fl.

1831Umbau der Fleischbänke zu Arresten. Abriß der Fleischbank und Aufbau eines Trakts zur Verbreiterung nach Norden. Problem mit der jährlich durchzuführenden Räumung der Stadtmoosach. Fleischbank mit verschiedenen Verkaufsständen, ein Raum zum Schlachten der Tiere. Die Entsorgung der Schlachtabfälle war relativ einfach, den Boden bildeten feste Bohlenbretter, zwischen denen das Blut und die Innereien durch Abheben der Bretter herausgeschlagen und hinweggefahren wurden.
1833Dachung Ostseite Fronfeste am Querflügel stürzt in benachbarten Privatgarten.
28.7.1835Vorlage einer Planung durch königliche Bau-lnspektion München II.
1840Krankenzimmer neben Turm über Stallung eingerichtet.
Es wurde ein dreigeschossiger Zellenbau und eine 6m hohe Einfriedungsmauer hinzugefügt. Das heute noch erhaltene Bauwerk besteht aus einem zweiflügeligen Gerichtsgebäude und einem massiven Turm, der in jedem Stockwerk 2 Zellen enthielt sowie dem später errichteten Zellenflügel, der in jedem Geschoß 6 Zellen aufwies. Zur Zeit (1989) wird das inzwischen heruntergekommene Bauwerk mit einem neuen Anstrich versehen. Ab 1862 war das Stadt- und Landgericht Freysing untergebracht. Ab 1.10.1879 war für kurze Zeit das neue Amtsgericht untergebracht.
1881Neubau des Gerichtsgebäudes am Unteren Graben, Amtsgerichtsgasse. Kostenaufwand 60.694,84 Mark. Der Zellentrakt des alten Gerichtsgebäudes wurde weiterhin als Gerichtsgefängnis benützt.
1.12.1888Einrichtung der Wasserleitung in der Stadt Freising. Anschluß des Gefängnisses an die Wasserleitung. Der Pumpbrunnen außerhalb des Haftgebäudes am Fuße des Dombergs wurde dann nur im Falle einer Reparatur gebraucht. Pro Person waren acht Liter Wasser täglich veranschlagt, woraus sich ein Jahresbedarf von 976.800 Liter errechnete.
1901Antrag der Gefängniskommission auf Einführung des elektrischen Lichtes.
1922Jede zweite Zelle wurde mit einem Läutwerk ausgestattet.
1923Reparatur der Stützmauer im rückwärtigen Gefängnishof gegen den steilaufsteigenden Domberg. Es drohte Einsturzgefahr.
1.10.1965Auflassung Gefängnis.
24.5.1977Das Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, Generalkonservator Dr. Michael Petzet, gibt an die Stadt Freising eine Stellungnahme zur Nutzung des ehem. Gefängnisses:
Betreff: Gefängnis, Obere Domberggasse 16 in Freising. Das bis vor wenigen Jahren als Gefängnis genutzte Bauwerk entstand im 17. Jahrhundert. Es beherbergte das Stadt- und Landgericht und war somit Zeichen der fürstbischöflichen Gerichtshoheit über Stadt und zugehörigem Landbezirk neben der noch die niedere Gerichtsbarkeit des Rates bestand. Das Bauwerk besteht aus dem eigentlichen, zweiflügeligen Gerichtsgebäude und dem Turm, der die Zellen der Gefangenen enthielt. Der Hof, den diese Baugruppe bildet, war schon im 18. Jahrhundert mit einer Mauer und einem Bogentor abgeschlossen. Um 1840 entstand östlich dieses Komplexes ein unmittelbar an den Domberg angelehnter dreigeschossiger Zellenbau und ein mit einer etwa 6 m hohen Mauer umschlossener Hof. Um diese Zeit wurde vermutlich auch der nördlich an den Turm stoßende Flügel aufgestockt. Nicht näher bestimmbar ist die Entstehungszeit des westlich an den Turm angelehnten Schuppens. Der Bau hat eine städtebaulich wichtige Schlüsselstellung, er steht am Gelenk zwischen Stadt und Domberg, zwischen Fischergasse und Alter Hochschule. Er schafft mit seiner Riegelstellung das System einer kleinteiligen, malerischen Altstadtstruktur, er gibt der baulich und stimmungsmäßigen Einheit der Fischergasse den Abschluß, er läßt durch seinen Turm die Höhe des Dombergs spürbar werden. Dass die topographischen Gegebenheiten optisch zur Geltung kommen und die Kleinteiligkeit der Stadtstruktur in diesem Bereich gewahrt bleibt, ist wesentliches Anliegen im Interesse der Freisinger Stadtgestalt. Seit dem Abbruch des Hochscheinbades auf FI.Nr. 1 in den 50er Jahren ist die Gefahr einer Trennung von Stadt und Domberg in diesem Bereich vorhanden. Die Verkettung wird aber durch das Stadt- und Landgericht und durch das ehemalige Domherrrnhaus Obere Domberggasse 15 noch aufrechterhalten. Zu dieser Bedeutung für die Stadtgestalt kommt die baugeschichtliche Qualität. Sie ist besonders in dem massiven Turm ausgeprägt, der hinter den dicken Mauern in jedem Stockwerk zwei Zellen enthält, die nur durch kleine vergitterte Luken erhellt werden. Das Zeltdach des Turmes wird von einem reich gegliederten Kamin bekrönt, der eine besonders markante Zier des Stadtbildes dargestellt und das Bauwerk ins frühe 17. Jahrhundert datieren läßt. Zu den beiden Flügeln des barocken Stadt- und Landgerichts sind im Erdgeschoß alle Räume mit Kreuz- und Tonnengewölben versehen, im 1. Obergeschoß des mittleren Flügels sind ebenfalls barocke Gewölbe. Besonders reizvoll ist die flache Wölbung des nördlichen Flügels, die die Moosach überspannt und so die Einbindung in das bachdurchflossene Straßenbild der Fischergasse herstellt. Der an den Berg gelehnte Zellenflügel des 19. Jahrhunderts weist in jedem Geschoß 6 Zellen auf, die durch einen hangseitigen Gang erschlossen werden. Dieser Bauteil ist in sehr schlechtem baulichen Zustand. Das Landesamt für Denkmalpflege erachtet aus städtebaulichen, baugeschichtlichen und geschichtlichen Gründen eine Beseitigung des ehemaligen Gefängnisses als nicht möglich. Ebensowenig konnte eine Isolierung des Turmes akzeptiert werden, weil er von Form und Funktion her nicht als freistehender Turm konzipiert ist, vielmehr einer Gebäudegruppe eingegliedert entstand. Anders als die barocken Bauteile sind dagegen die Hinzufügungen des 19. Jahrhunderts zu beurteilen. Der Zellenbau ist für das Stadtbild nicht wesentlich und in sehr schlechtem Zustand, die Mauer davor wirkt im Straßenbild der Fischergasse sogar störend. Diese beiden Bauteile könnten daher ggf. abgebrochen werden. Auch der westlich an den Turm angefügte Schuppen ist ohne größere Bedeutung. Die Stadt Freising hat dargestellt, dass eine Ausfahrt aus der Fischergasse nach Westen gesichert werden soll. Das Landesamt für Denkmalpflege würde eine Durchfahrt für PKW-Verkehr, jedenfalls
nicht mehr als das Erdgeschoß berührend, im mittleren Flügel hinnehmen, wenn dies notwendig ist. Für die Nutzung möchte das Landesamt - ohne der Stadt und dem Historischen Verein vorgreifen zu wollen - die Unterbringung des Heimatmuseums und der Bibliothek des Historischen Vereins vorschlagen. Im 2. Obergeschoß könnte dabei ein Beschließer untergebracht werden, der dem Museum umfangreichere Öffnungszeiten als heute garantiert.