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Altes Gefängnis Freising e.V.
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Zauberbubenprozesse

1715/17
1721/23

Freisinger Hexenprozesse. 1723: 14 männliche Personen, hauptsächlich Kinder und Burschen, zwei Frauen. Männliche Personen, wie dies in den Prozessen 1715-23 der Fall war, wurden prinzipiell mit dem Schwert hingerichtet. Zum Teil mußten die Buben zur Abschreckung bei der Hinrichtung ihrer Kameraden zusehen, wie auch Schulklassen aus demselben Grunde dem makabren Schauspiel beizuwohnen hatten.

... Mit Elisabeth Adlwart sei zunächst ähnlich zu beginnen. Sie sei am ganzen Körper zu rasieren und auf Hexenzeichen zu untersuchen, ferner habe man sie auf die Bank zu binden und Anstalten zur Tortur zu treffen, ohne diese jedoch zu vollziehen.

Teufelspakt. Die heilige Hostie wurde dem Teufelsopfer in den Körper, bevorzugt unter die Haut, transplantiert, wodurch die Entweihung Gottes stattfand, die Unterschrift mit dem eigenen Blut besiegelte den Pakt. Auch hier wiederum war dieser Akt reales Geschehen, keine symbolische Handlung. Die in Verdacht Geratenen mußten stets eine Untersuchung nach den Spuren einer solchen "Verheilung" über sich ergehen lassen.

Unzucht. Was kann ein Elfjähriger (Andre) schon von Unzucht wissen? Seine Antworten auf diese Fragen sind entsprechend: "Das ihn auf einem der geschilderten Hexentreffen getroffene "Weibspildt" habe begehrt, ... (er) solle bey ihr liegen, der auch 2 oder 3 Mall bei ihr in einer Pöttstatt gelegen, sye aber hat begerth, er solle sye halsen, daryber sye ihne auf sye zu ligen aufgehebt, ihne am Zumpferl angegriffen, selben in ein ...".

12.8.1717

Andre (genannt Trudenfänger) verabschiedet sich gegen fünf Uhr nachmittags von seinen Kameraden durch ,,4 Khlopfer" an seine Zellentür. Gleich darauf aber ist eben in seiner Keuche ein entsetzlich starckher Straich oder Fall dermaßen beschehen, daß in den Keuchen der Offen gezitert. Andre ist tot. An der Kette, die ihn an die Wand seiner Zelle fesselte, hat er sich erhängt.

Ein mutiger Bürgermeister. Erster Bürgermeister Johann Christoph Rieder meldet sich lautstark und unüberhörbar für die Herren auf dem Domberg. Es geht um das Schicksal Georg Mayrs (Georg Mayr, Gröbner, Gröbmayr, geb. 15.3.1704, gest. 14.2.1722, verhaftet am 31.3.1721, Schwert und Feuer, 17 Jahre alt). Zu dem durch den Bannrichter anempfohlenen Todesurteil erhebe er insofern Bedenken, als Verhaffter noch bey minderen Jahren, und sich kein Schaden an den Tag gibt, sonndern die verhafften Buben nur untereinander selbsten graviren ...". Noch weitere vier Mal weist der erste Bürgermeister die Urteilsempfehlung des Bannrichters zurück. Niemand wagt es ihm gleichzutun. Was Rieder zu Protokoll gegeben hat, ist eine unerhörte Provokation für die fürstbischöfliche Herrschaft. Das unerbittliche Ende kommt auch für Rieder. Für ihn soll es sein letzter Auftritt als amtierender Bürgermeister der Stadt Freising sein.